20.01.2005, Bonn
T-Mobile hat heute in Bonn Details seines Wachstums- und Effizienzprogramms „Save for Growth“ vorgestellt. Mit dem Programm will T-Mobile bis Ende 2006 ein jährliches Einsparvolumen von einer Milliarde Euro (rund zehn Prozent der laufenden Kosten) erzielen, davon plant das Unternehmen, bis zu 500 Millionen Euro zur Realisierung seiner Wachstumsziele zu reinvestieren. Damit schafft T-Mobile die nötigen Ressourcen, um drei Wachstumsinitiativen voranzutreiben: - Weiterentwicklung des mobilen Internets für Freizeit und Büro,
- Angebot günstiger und einfacher Mobilfunktarife und
- Weiterentwicklung nahtlos integrierter Netzplattformen (GPRS, UMTS, W-Lan)
Allein 85 Prozent der Einsparungen verteilen sich auf folgende Bereiche:
- Gezieltere Steuerung von Handysubventionen sowie die Verbesserung der Einkaufskonditionen und Entwicklungskosten von mobilen Terminals (500 Millionen Euro)
- Optimierung der Lieferantenbeziehungen und Nutzung von Konzernsynergien (250 Millionen Euro),
- Fokussierung des Produkt- und Serviceportfolios (50 Millionen)
- Reduzierung von Gemeinkosten (50 Millionen Euro)
Lediglich 15 Prozent entfallen auf die
- Reduzierung der Personal- und Personalzusatzkosten in den europäischen Gesellschaften (150 Millionen Euro, entspricht rund zehn Prozent der Gesamtpersonalkosten),
„Wir sind am Beginn einer neuen Ära“, erklärt T-Mobile Chef René Obermann. “Die Mobilfunkindustrie steht vor einem Wandel: Der Schwerpunkt liegt nicht mehr beim reinen SIM-Karten Wachstum, sondern bei der Entwicklung und Pflege intensiver Kundenbeziehungen.“ T-Mobile habe das frühzeitig erkannt und schaffe nun die entsprechenden Rahmenbedingungen, um das Geschäft erfolgreich fortzuführen, so Obermann weiter. Vor dem Hintergrund der hohen Mobilfunkpenetration in den meisten europäischen Mobilfunkmärkten, werde sich das Geschäft verändern. „Der Kurs ist klar: Profitables Wachstum zu vertretbaren Kosten, statt Wachstum um jeden Preis. Konkret heißt das: Einfache und günstige Handytarife in Verbindung mit realistischen Handypreisen“, sagt der T-Mobile Chef. „Wir haben damit in unseren wichtigsten europäischen Märkten, vor allem in Deutschland, schon vor Monaten begonnen. Die Maßnahmen erlauben uns, bei geringeren Kosten, auch weiterhin ein attraktives Endgeräteportfolio anzubieten, gleichzeitig geben sie uns auch mehr Spielraum für Tarifoffensiven“, so Obermann.
Deshalb verschiebt sich beim Einkauf von Mobiltelefonen der Fokus von T-Mobile. Timotheus Höttges, Vorstand für die europäischen Vertriebs- und Serviceaktivitäten und verantwortlich für das „Save for Growth“-Programm: „Bisher haben wir vor allem auf eine sehr große Vielzahl von Modellen gesetzt, wovon nur ein Teil auf die entsprechende Resonanz beim Kunden stieß. Zukünftig werden wir uns noch stärker an den tatsächlichen Kundenbedürfnissen ausrichten und das Sortiment straffen.“ Einerseits werde man seinen Fokus gezielter auf ausgewählte T-Mobile spezifische Produkte legen, die echte Wettbewerbsvorteile bringen. Als Beispiel nannte er die sehr erfolgreiche MDA-Familie. Sie sei gerade im Weihnachtsgeschäft sehr stark nachgefragt worden. Bis zum Jahresende 2004 hat T-Mobile davon in Europa etwa 100 000 Geräte absetzen können. Andererseits werde T-Mobile sein Geräteprogramm von derzeit über 50 Modellen auf rund 30 bis 40 Typen reduzieren. So ließen sich die Einkaufsvolumina gezielter steuern, was wiederum attraktivere Preise für diese Geräte ermöglichen werde.
Die veränderten Marktbedingungen verlangen ebenfalls Anpassungen bei Vertrieb und Service. Höttges: „Der qualifizierte Fachhandel bleibt für T-Mobile nach wie vor der wichtigste Vermarktungskanal.“ So erfolge die Vermarktung anspruchsvoller Produkte und Lösungen auch weiterhin über den Fachhandel und die Direktvertriebe, also über die T-Punkte beziehungsweise über die Geschäftskunden-Vertriebe der T-Systems. Vor allem für Standardprodukte, etwa die Guthabenkarte Xtra, wird T-Mobile auch elektronische Vertriebskanäle (E-Channel) und die Möglichkeiten des Telesales stärker nutzen. Timotheus Höttges: „Damit werden wir nicht nur effizienter, sondern kommen auch den Wünschen derjenigen Kunden entgegen, die großen Wert auf elektronisch basierten Kundenservice oder Internetshopping legen. Klar ist aber auch: „Eine weitere tragende Säule unseres Geschäftes bleiben die Service Provider.“
Ein zusätzlicher strategischer Hebel ergibt sich im Bereich der Optimierung der Lieferantenbeziehungen und bei der verstärkten Nutzung von Konzernsynergien:
Als Beispiel nannte René Obermann das jüngst erweiterte „European Backbone Network“, das die T-Mobile Netze direkt miteinander verbindet und so deutliche Qualitäts- und Kostenvorteile bringt. Anmietungen von Leitungen Dritter sind nicht mehr notwendig. Daneben möchte man die internen, technischen Prozesse europaweit noch stärker integrieren. So soll T-Systems noch stärker als interner IT-Partner genutzt werden. Daneben ist die Schaffung einer virtuellen „European Operation Factory“ geplant: „Der Vorteil liegt auf der Hand: So haben wir schon heute nur ein Downloadcenter für elektronische Inhalte, wie zum Beispiel Klingeltöne oder Spiele, für alle T-Mobile Länder“, so Obermann weiter. Auch werden das Netz- und Servicemanagement für die europäischen Gesellschaften zentral gesteuert.“
Unter den Punkt „Nutzung von Konzernsynergien“ fällt auch die Zusammenführung gewisser Aufgaben innerhalb des Telekom-Konzerns. So soll zum Beispiel das Facility Management der T-Mobile von DeTe Immobilien und bestimmte Aufgaben im Technik-Bereich von der Vivento Technology Service übernommen werden. Insgesamt geht es um rund 500 Mitarbeiter, davon ca. 340 in Deutschland, die mit ihren Funktionen innerhalb des Konzerns wechseln.
Daneben wird T-Mobile die Anforderungen an die Profitabilität seiner Produkte und Dienste weiter erhöhen. So überprüft das Unternehmen, welche Angebote es selbst und welche es von Partnern entwickeln lässt. Obermann: „Aus heutiger Sicht macht z.B. die Entwicklung von Content-Angeboten durch T-Mobile selbst wenig Sinn. Mittlerweile sind – auch mit unserer Hilfe – Unternehmen entstanden, die das deutlich günstiger und besser können als wir selbst.“ Als ein Beispiel nannte er Verkehrsinfoservices, die T-Mobile teilweise noch selbst produziert. Zukünftig will T-Mobile sein Hauptaugenmerk in diesem Bereich noch stärker als bisher auf die Themen „Service, Qualität und Einfachheit“ richten.
Weitere Einsparmöglichkeiten ergeben sich im Bereich der Gemeinkosten: Durch Einsparung bei Kostenpunkten wie zum Beispiel Beratung, Gebäude-, Miet- und Reisekosten.
In Summe will T-Mobile mit diesen Maßnahmenpaketen den Löwenanteil der Einsparsumme, also etwa 850 Millionen Euro, erzielen. Der verbleibende Teil der Einsparungen soll durch die Steigerung der Personalproduktivität erreicht werden. Dazu plant das Unternehmen, die Personalkosten in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und Tschechien um 150 Millionen Euro zu senken.
Die notwendigen Einsparungen bei den Personalkosten können dazu führen, dass in den nächsten zwei Jahren in Europa bis zu 2.200 Stellen (etwa zehn Prozent der Belegschaft) abgebaut werden müssen, davon bis zu 1.200 in den deutschen T-Mobile Organisationseinheiten.
Weiterhin plant das Unternehmen, gewisse Geschäftsaktivitäten, wie zum Beispiel T-Traffic, in Zukunft nicht mehr selbst, sondern durch externe Dienstleister fortzuführen. Mit dieser Maßnahme könne man für 600 weitere Mitarbeiter (ca. 130 in Deutschland) eine Beschäftigungsperspektive außerhalb des Konzerns schaffen.
René Obermann dazu: „Wir werden alles tun, um diesen Prozess so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Gemeinsam mit den Sozialpartnern wollen wir für die betroffenen Mitarbeiter akzeptable Lösungen und Perspektiven schaffen und vereinbaren. Wir sind zuversichtlich, dass annehmbare Ergebnisse über geeignete Personalinstrumente erzielt werden können, wie zum Beispiel Verzicht auf Nachbesetzungen bei natürlicher Fluktuation, einvernehmliche Trennungen, interne und externe Vermittlung auf andere Arbeitsplätze, Altersteilzeit und flexible Arbeitszeitregelungen.“