13.06.2009, Osnabrück
Seit Herr Schäuble das Thema der Überwachung von Internetverbindungen auf den Tisch brachte, treiben die Ideen so mancher Politiker wahre Blüten. Es wird auf der Fassade zwar der Schutz des Staates oder ganz besonders von Kinder aufgemalt, aber dahinter ist nichts mehr. Den Staat und das Volk zu schützen ist sicher eine feines Motiv, doch geht das nur, in dem man alles und jeden als potenziell gefährlich einstuft und Angst die Fäden ziehen lässt? Sicher nicht, wenn die Freiheit darunter leidet. Doch zu einem ganz anderen Thema. Aus dem Bundesamt für Familie wurde bereits die Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie eingebracht. Nun kommt der nächste Komplex - Gewalt- und Killerspiele. Auch sie sollen aus dem Internet verschwinden. Thomas Strobl, Bundestagsabgeordneter von der CDU, sähe es gerne, wenn die Verbreitungswege überprüft würden. Nach seinem Wunsch sollte die Herstellung der Spiele bereits unterbunden werden.
Moorhuhn schon ein Gewaltspiel?
Bund und Länder wollen härter gegen diese Spiele vorgehen, das wurde in der letzten Woche zwischen den jeweiligen Innenministern erarbeitet. Allen gemeinsam, den Innenministern, wie auch Ursula von der Leyen und Herrn Schäuble schlägt allerdings heftig Wind entgegen. Allerdings nicht, wie man vermuten könnte, von den Betreibern und Firmen der Spiel beispielsweise, sondern am heftigsten von betroffenen Opfern oder Angehörigen, die durch Gewalt und Missbrauch zu Schaden kamen. Vollkommen zu Recht wird kritisiert, dass eine riesengroße Welle angestoßen wird, die bei ihrem Auslaufen aber keinerlei Wirkung hat. Es ist gut, wenn Seiten gesperrt werden, nur tauchen diese mit wenig technischem Aufwand an neuer Stelle wieder auf. Gewaltspiele verbieten ist auch gut, allerdings gibt es in Deutschland genügend Arbeitslose und vor allem, ab wann wird ein Spiel zum Moral gefährdenden Killerspiel? Wird man durch Moorhuhn zum Amokläufer?
Die Grundgedanken zum Schutz sind ein sehr guter Anfang. Die Herangehensweise ist ungeeignet. Dass Kinder und Jugendliche heutzutage eine sehr viel geringere Hemmschwelle gegenüber Gewalt haben und diese teilweise sogar als tollen Spaß ansehen, wird durch einige Spiele vielleicht zu einem geringen Prozentsatz unterstützt, aber der Hauptgrund ist unsere Gesellschaft, die aus deren Eltern, Lehrern und uns anderen Erwachsenen besteht. Wenn eine Gemeinschaft nicht in der Lage ist, Werte wie Höflichkeit, Anstand, Respekt und Hilfsbereitschaft zu fördern und zu halten, bedarf es keiner Spiele, um den Nachwuchs zum Ausrasten zu kriegen.
Genauso sehen das sogar Opfer von Missbrauch. Viele fühlen sich durch die aktuelle Diskussion erneut missbraucht, da auf Ihrer zerschunden Seele Politik gemacht wird. Und zwar eine, die nicht schützt und verhindert, sondern verschleiert. Es existiert ein Interview mit dem Gründer und Vorstand von Mogis (Missbrauchsopfer Gegen Internetsperren) Christian Bahls mit dem Portal Zeit Online, in dem er hier ganz klar Stellung bezieht und wirkliches Handeln vonseiten der Politik fordert. Seiner Ausführung nach kann es nicht sinnvoll sein, etwas zu verhängen, damit es nicht zu sehen ist und dann so tun, als gäbe es das Vergangene nicht mehr. Die Wurzel, nämlich die direkte Abschaltung der Server und mit deren Daten dann die juristischen Schritte gegen Betreiber und Nutzer, zu tilgen, das wäre der einzig richtige Weg. Den Rest nennt Herr Bahls das Aufzwingen von Scheuklappen.
Gewaltspiele - Wo sind die Grenzen?
Ähnlich sieht es mit dem Thema der Gewaltspiele aus. Wenn Kinder keine Zuwendung erfahren und stattdessen vor Fernseher und Computer gesetzt werden, legt man als Eltern den Grundstein für soziale Defizite. Die Unfähigkeit sehr vieler Erwachsener Probleme untereinander mit Gesprächen ohne Gewalt und Gerichte zu lösen, nimmt zu. Kinder/Jugendliche erleben, die Zahlungsmoral und Ellbogendenken der Erwachsenen. Es ist nicht neu, dass der Nachwuchs nachmacht, was er woanders sieht.
Generell kann man sagen, dass die Ursachen wirksam bekämpft werden müssen, was auf jeden möglich ist, anstatt es totzuschweigen. Genau das passiert, wenn ein Problem verschleiert wird. Man sieht keine Kinderpornoseiten mehr, also sieht man auch nichts, worum man sich kümmern müsste. Das ist so typisch für unsere Gesellschaft. Wenn etwas passiert, dann schaut man schnell weg oder macht den Rollladen runter und den Fernseher lauter. Wie soll sich das ändern, wo sogar Volksvertreter diese Möglichkeit in Betracht ziehen. Und eine Frage bleibt bei den ganzen Vorschlägen ebenso offen: Wo soll das alles hingehen, wer zieht wo die Grenzen?
Autor: Team fastline