In Heringen (Werra), das zum Kreis Bad Hersfeld gehört, kommt man mit der Realisierung des schnellen Internets nicht voran. Vonseiten der Internetbetreiber fehlt das nötige Interesse, was sich von deren Seite aus mit dem ungünstigen Verhältnis von notwendiger Investition und dem zu vermutenden Rücklauf durch Kundenverträge begründet. Wie Bürgermeister Hans Ries die Situation einschätzt, eröffnete er kürzlich in einer Pressemitteilung. Er führte unter Anderem die Vermutung an, dass Konzerne wie die Telekom sich beispielsweise von Unternehmen lieber eine Standleitung für jährlich 3.000,- Euro bezahlen ließen, als sich um den Breitbandausbau zu kümmern.
Nach seinem Rechenbeispiel würden Leitungen für 20 Betriebe der Region jährlich annähernd die Summe einbringen, die das Verlegen von Leerrohren für die Stadt Heringen kosten würde. Angesichts dieser Problematik sieht der Bürgermeister mit Wehmut auf Länder, in denen nach seinen Ausführungen die Bedürfnisse der Bürger höher bewertet werden, als die monetären Interessen von Konzernen, an denen der Staat beteiligt ist. Dort nämlich sind 100 Mbit/s als Internet-Geschwindigkeit bereits Standard. Somit hat er auch weniger Verständnis dafür, dass man die Grundversorgung mit Breitband-DSL überhaupt zur Diskussion stellt.
Dass der Mangel an schnellen Internetverbindungen eine massive Benachteiligung darstellt, zeigt sich daran, dass unterversorgte Gebiete abwandernde Betriebe zu verzeichnen haben, die eine Kettenreaktion in Gang setzen. Deshalb ist für sehr viele Verantwortliche der Ausbau mit Breitband auch als Wirtschaftsförderung zu verstehen. Erst vor wenigen Monaten wurde das Ersuchen, Breitband-Verbindungen der Grundversorgung wie Strom, Wärme und Wasser zuzuordnen nicht zuletzt wegen der Einwände der Telekommunikations- und Internetfirmen abgewehrt. Aus deren Sicht ginge der Ausbau schneller voran, wenn der Markt der Mitbewerber als Motor fungiert. Dass dem nicht so ist, beweisen zahlreiche Regionen, die seit Jahren vergeblich um schnelles Internet kämpfen.
Und dass Breitband- oder Hochgeschwindigkeitsnetze nicht überall der gleichen Definition unterliegen, erkennt man daran, dass in Deutschland von Breitbandinternet bereits ab 384 kbit/s gesprochen wird, während andere Länder standardmäßig mit 50 Mbit/s bis 100 Mbit/s 'unterwegs' sind.
Wann und in welcher Form Heringen irgendwann über schnelles Internet verfügt, schneit trotz Eigeninitiative derzeit ungewiss zu bleiben.
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