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Hat Deutschland nun ausreichen Breitband-Internet oder nicht?
02.02.2012, Osnabrück

Noch immer gilt das Ziel der Bundesregierung, bis 2014 drei Viertel aller bundesdeutschen Haushalte mit Hochgeschwindigkeits-Internet zu versorgen. Dabei handelt es sich um Datenraten von mindestens 50 Mbit/s. Den Anspruch, flächendeckend Breitband-Internet anzubieten, hätte man mit einer über 99%-igen Abdeckung annähernd erfüllt. Als Breitband wird ein Internet-Anschluss bezeichnet, der mehr als 384 kbit/s Datenrate hat. Wer versucht hat, mit 1 Mbit/s intensiv das Internet zu nutzen, wird wahrscheinlich nicht von Breitband reden. Alles, was darunter ist, macht ein Arbeiten fast unmöglich, was vor allem Unternehmen in solchen unterversorgten Gebieten zu spüren bekommen. Der Standort- und Wirtschaftsfaktor 'Schnelles Internet' ist so wichtig, wie nie zuvor.

Internet als Grundversorgung

Die Nachrichten, welche die unterschiedlichen Sichtweisen widerspiegeln, geben sich in manchen Zeiten die Klinke in die Hand. Kaum gibt ein Verband Zahlen mit positiven Zahlen zur Entwicklung und Nutzung von Breitband-Internet in Deutschland heraus, tauchen Artikel auf, welche diese Zahlen aus einer anderen Sicht deuten und auch vor Vorwürfen nicht Halt machen. So verlautete es vonseiten der BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien), dass die Anzahl der verfügbaren Breitband-Anschlüsse auf 99% angestiegen wäre. Die Nutzungsstatistik zeigt, dass 78% der Haushalte diese Anschlüsse nutzen. Es wird aber auch angeführt, dass der Glasfaserausbau notwendig ist, mit dem die Grundversorgung von 1 auf 5 Mbit/s angehoben werden könnte. Regionen, die mit den Kabeln schlecht bis gar nicht erreichbar sind, sollen mit LTE auf den notwendigen Stand gebracht werden. Bereits in der Aussage zum flächendeckenden Ausbau stützte man sich die Regierung auf das Zusammenspiel von verschiedenen Techniken und Kooperationen zwischen der Wirtschaft und Bund, Ländern und Kommunen.

Eine andere Statistik der EU verwies Deutschland auf die hintersten Plätze, was den Ausbau mit Glasfaser angeht. Nicht einmal 1% der genutzten Internet-Anschlüsse in Deutschland würde über Glasfaser verfügen. Auch von Zahlenspielerei ist die Rede. Während in Deutschland 384 kbit/s als Breitband angesehen werden, zählt man in der EU einen Breitband-Anschluss erst mit mindestens 2 Mbit/s dazu. Angesichts der datenintensiven Dienste, wie Video, Internet-TV, Telefonie, Online-Präsentationen, Mitarbeiter- und Kundenanbindungen sowie Videokonferenzen in Unternehmen erscheint sehr viel näher an der Realität. Die Anforderungen an die Internetverbindungen steigen nicht nur wegen der Unternehmen, sondern auch im privaten Bereich. Immer mehr Nutzer greifen auf Internet-TV oder Online-Vedeotheken wie Telekokm Entertain, Vodafone TV, Alice TV oder Maxdome zu. Um ungetrübtes Filmvergnügen zu haben, ohne Ruckeln oder Verpixelungen, sind mindestens 2 Mbit/s stabile Datenrate nötig. Oft geben Anbieter sogar Datenraten vor, die weiter höher liegen. So sollten es für normale Filmqualität mindestens 4 Mbit/s und für HD schwanken die Angaben – je nach Anbieter – zwischen 8 bis 12 Mbit/s. Die sind mit dem Kupferkabel, das noch immer Datenübertragungsmedium Nr. 1 ist, zu viel. Schon deshalb, weil ja schon in einem Familien-Haushalt mehr wie ein PC oder Fernseher am Netz angeschlossen sind, die gleichzeitig zugreifen. Und jeder möchte eine gute Verbindung genießen.

Vollständiger ausbau geht nur langsam vorran

Dass der Ausbau so schleppend vorangeht, sieht man in der späten Umstrukturierung des Telekommunikationswesens begründet. In anderen Ländern hat es Alternativen zum Kupfernetz sehr früh gegeben und diese sind auch verwendet worden. In Deutschland hielt man zu lange am einstigen Monopolisten Telekom und dessen Infrastruktur fest. Die Strafe: Deutschland wird von der technischen Entwicklung überrannt und versucht krampfhaft hinterherzuhinken. Der Ansatz der Telekommunikationsverbände, die Nachfrage nach schnellem DSL würde den flächendeckenden Ausbau beschleunigen, fehlt bisher der Nachweis. Zu viele weiße Flecken ohne Breitband und zu viele DSL-Anschlüsse ohne echte Geschwindigkeit bleiben aus Interessenlosigkeit der DSL-Anbieter auch weiterhin ohne Versorgung. Gleichzeitig begehren diese Unternehmen aber auf, wenn die Rede davon ist, Breitband zum Katalog der Grundversorgungen hinzuzufügen, wie es bei Strom, Wärme und Wasser auch ist.Diese Situation hat zwar zur Folge, dass einzelne Kommunen mit Anbietern direkt in Kontakt treten und Konzepte ausarbeiten, aber dies ein Lösungsweg ist, den sich eben nicht jede Gemeinde leisten kann. Die Benachteiligung nicht nur einzelner Gemeinden, sondern durch ein Arm/Reich-Gefälle von Norden nach Süden, kann die soziale Zusammensetzung und die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Regionen sehr negativ beeinflussen.
Die Auseinandersetzung, ob Deutschland nun Breitband-Internet hat oder nicht, wird sich solange fortsetzen, wie es die Schere zwischen 384 kbit/s und mittlerweile verfügbaren 128 Mbit/s gibt. Um den weltweiten Anschluss nicht zu verlieren, wäre es vielleicht doch notwendig, Breitband-Internet der Grundversorgung zuzurechnen, damit an allen Stellen etwas passiert.

Autor: Team fastline



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