Die Einwohner des Bereiches Westgreußen entschließen sich extrem zögerlich für das wichtige schnelle Internet. Die Anfragen, die vor Beginn der Projektierung zum schnellen DSL in der Gemeindevertretung eingingen, ließen darauf schließen, dass man die notwendige Anzahl Verträge für einen DSL-Anschluss schnell zusammenbekommt. Immerhin gingen rund 50 Anfragen ein und 50 Verträge wären notwendig, um infrage kommende Telekommunikationsunternehmen wie die Telekom zum Ausbau des DSL mit Glasfaser zu bewegen. Dass ansonsten der Ausbau für Anbieter nicht wirtschaftlich ist, hat sich eigentlich überall herumgesprochen. Die Firmen EncoLine und Netkom stellten die Option Glasfaser für den schnellen Internet-Anschluss vor und mussten dann erleben, dass bis zum Mai weniger als die Hälfte an Anträgen vorlag.
Wenige Wochen später waren trotz erneuter Aufrufe zu den Verträgen immer noch nicht die Hälfte der benötigten Verträge eingegangen. Das besondere an der Ausbausituation für Westgreußen war, dass man für die Verlegung eine existierende Gastrasse nutzen konnte und die Firma EncoLine die Verbindung zum Internet ohne zusätzlichen Kosten für die Gemeinde realisieren wollte. Vorbedingung: wenigsten 50 Vorverträge für DSL-Anschüsse. In anderen Gemeinden werden die Vorverträge im Regelfall ebenfalls benötigt, damit Telekommunikationsunternehmen im Vorfeld wissen, dass sich ihre Investition rentieren wird. Allerdings kommen dann trotzdem noch Kosten für Tiefbau- und Anschlussarbeiten hinzu, die in Teilen förderbar sind. Es bleiben meistens aber immer noch ausreichend Restkosten, welche von der Gemeinde zu tragen sind. Nicht so in Westgreußen, hier würden keine zusätzlichen Kosten anfallen. Aus unbekannten Gründen schien das die 400 Einwohner aber wenig zu motivieren, sich um den Glasfaserausbau zu bemühen. In Erinnerung musste man dabei immer rufen, wie laut anfangs der Ruf an die Gemeinde zum Ausbau war. Im Gegensatz zu Stadtgebieten, in denen die notwendige Infrastruktur für DSL gegeben ist, sodass man selbst wählen kann, wann man zu welchem Anbieter geht, ist dies in ländlichen Gebieten grundlegend anders, wenn erst ausgebaut werden muss. Es ist häufig ein langwieriges Verfahren, bis eine ländlichen Gemeinde über Glasfaserverbindungen ins Internet und den entsprechenden Netzanbieter verfügen kann. Bedarfsermittlungen, Ausschreibungen, Sondierungsgesprächen, Informationsabende, Beantragung von Fördermitteln und Krediten und die angesprochenen Vorverträge, deren Anzahl sich durch die Kostenkalkulation ergibt, werden auf dem Amtsweg erhoben, eingereicht und abgeschlossen. Oft gehen Monate, manchmal Jahre ins Land, bis der erste Haushalt über schnelles Internet verfügen kann.
Besonderes fatal sind Situationen mit unentschlossenen Bürgern für ortsansässige Unternehmen. Diese brauchen das schnelle Internet nicht nur zur Abwicklung von Kommunikationsvorgängen, sondern um durch die Nutzung hochwertige Services am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Unternehmen sind nicht selten die Hauptarbeitgeber einer ländlichen Region. Als Unbedachtheit könnte man es ansehen, wenn der wichtige Wirtschaftsfaktor Internet den Firmen vorenthalten wird.
Das Jahr 2011 ist nun fast am Ende und von den 50 benötigten Anträgen liegen derzeit nur 26 vor. Zu wenig, um einem Netzanbieter zu signalisieren 'Investiere hier, du kriegst es wieder rein'. Um Bewegung in die 'Sache' zu bekommen, unterbreitete Marc Seeber, der selbst ein Internet-Unternehmen in Westgreußen betreibt, den Firmen EncoLine und Netkom den Vorschlag, den notwendigen 300 Meter langen Graben mit eigenem Bagger auszuheben, um die Kosten für die Tiefbauarbeiten zu senken. Die beiden beteiligten Unternehmen willigten für diesen Fall darauf ein, dann auch bei nur 30 Anträgen tätig zu werden. Außerdem bräuchten Kunden mit bestehenden keine Sorge haben, dass sie mit zwei Verträgen belastet würden. Alte ließe man zuerst ablaufen, bevor neue in Kraft treten würden. Auch die Anfrage um Fördermittel, falls die 30 Anträge nicht zustande kommen sollten, hatte der Unternehmer bei Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gestellt, wofür üblicherweise die Bürgermeisterin Rosemarie Krause (CDU) zuständig wäre.
Einstimmig sind Befürworter des Glasfaser-Projekts der Meinung, dass sich die unverständlich zögerliche Haltung der Einwohner, das Projekt zu einer Farce werden lässt. Auch wenn, wie einige Anwohner anmerken, sich nun auch weitere Anbieter für den Ort interessieren, so sei scheinbar die greifbare und vor allem kostengünstigste Lösung jene von Netkom und EncoLine. Das Glasfaserkabel, an das man angeschlossen werden könnte, liegt nicht weit entfernt. Böse Zungen könnten behaupten, dass es wohl trotzdem schon außerhalb des Horizonts einiger Entscheidungsunwilliger liegt. Hochgerechnet auf die bisherige Entwicklung könnten die fehlenden 24 Anträge bis 2013 eintreffen – wenn keine Anträge zurückgenommen werden.
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