Der Ausbau von Breitband-DSL zeigt immer wieder, dass man selbst aktiv werden muss, wenn man möchte, dass etwas geschieht. In Eichenzell, südlich von Fulda gelegen, hat sich dieser Weg als einziger erwiesen, um endlich das so wichtige schnelle Internet zu bekommen. Der Druck, den die Gemeinde gegenüber dem Kreis im Lauf des Jahres aufgebaut hat, zeugte von ausreichend Willen und Interesse am schnellen Internet. Auch in der Form, wie man die Glasfaser gern verlegt hätte, hat Eichenzell von Beginn an konkrete Vorstellungen. Während von der ÜWAG ein Angebot zu Verlegung von Glasfaser bis an die Telefonkästen zu verlegen, möchte man in Eichenzell die lichtschnellen Verbindungen bis an die Hausanschlüsse verlegen. Damit gehen die Meinungen der Gemeinde Eichenzell und der ÜWAG weit auseinander. Während das Versorgungsunternehmen kreisweit die gleichen Voraussetzungen für alle Gemeinden und Haushalte schaffen möchte, in dem nur bis an die Verteilerkästen ausgebaut wird, blieb Eichenzell bei dem Plan, Glasfaser bis an die Hausanschlüsse zu verlegen, um der Gemeinde einen großen Standortvorteil zu sichern. Finanziell sei dies machbar, da man Vorverträge mit den anschlusswilligen Haushalten abschließen würde, um die Refinanzierung der Investitionen sicherzustellen. Dieser Möglichkeit stand die ÜWAG im Sommer skeptisch gegenüber. Sie ging davon aus, dass man schon die notwendige Mindestanzahl an Vorverträgen nicht erreichen würde, welche die enormen Mehrkosten abdecken würden. Um kreisweit Glasfaser bis an die Häuser zu verlegen, müsste man mit etwa 250 Millionen Euro rechnen, die aktuell nicht zu finanzieren sind. Wie in anderen Regionen auch, wurden die Verlegearbeiten bereits in andere Straßenbauprojekte einbezogen, indem man bei Tiefbauarbeiten gleich die Leerrohre für die Glasfaserkabel mitverlegte. Die Lösung der ÜWAG erachtete man für Eichenzell als unzureichend. Der Versorger erklärte zwar, dass der Ausbau bis ans Haus zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann, in der Gemeinde möchte man jedoch gleich die schnelle Lösung, mit der man in den nächsten drei Jahrzehnten arbeiten könnte. Gegenstimmen dieser Vorgehensweise wollten vermeiden, dass das schnelle Internet die Region in zwei Klassen unterteilt, wogegen die Gemeinde Eichenzell überzeugt, war, dass sich andere Gemeinden ihrem Beispiel sogar anschließen würden.
Am 24. November wurde auf einer Gemeindevertretersitzung nun beschlossen, dass ein Eigenbetrieb für den Breitband-Ausbau gegründet wird. Die Entscheidung fiel einstimmig und die gesetzlichen Rahmenbedingungen seien vollständig gegeben. Mithilfe dieses Eigenbetriebs sollen bis zum Jahr 2015 Leerrohre und Glasfaserkabel verlegt werden. Die über 8 Millionen Euro für das Vorhaben werden vom Eigenbetrieb investiert. Das entstandene Netz wird an Internet-Dienstleister vermietet. Die Ausschreibungen hierzu werden in nächster Zeit ebenfalls auf den Weg gebracht. Die Miete oder Pacht für das Netz soll dem Eigenbetrieb zufließen, der damit seine Investition plus Zinsen wieder zurückerhält. Somit fielen auf lange Sicht für den Ausbau mit Glasfaser keine Kosten für die Gemeinde an, das Netz bezahlt sich selbst. Um keine unangenehmen Überraschungen mit einem Pächter oder Mieter zu erleben, möchte bei den Bewerbungen zur Ausschreibung bereits darauf achten, sich einen finanziell gesunden Partner ins Boot zu holen. Da es vonseiten des CDU-Landtagsabgeordneten Bernd Woide Kritik an diesem Vorgehen gab, der zusammen mit der ÜWAG einen anderen Ausbauplan favorisierte, nahm man bereits Gespräche auf. So steht der Vorschlag, dass die ÜWAG selbst ebenfalls als Mieter für die Glasfaser infrage kommt.
Eichenzell selbst hat aktuell bei Weitem keine so schlechten Anbindungen, wie es in vielen anderen Regionen Deutschlands der Falls ist. Während man vor allem in ländlichen Gebieten oft mit Mini-DSL und Geschwindigkeiten von 300 bis 600 kbit/s auskommen muss, verfügt Eichenzell im Großteil der Haushalte bereits über DSL mit 6 Mbit/s oder sogar 16 Mbit/s. Man möchte den Standort aber flächendeckend auf bis zu 50 Mbit/s anschließen und sich somit einen wichtigen Wirtschaftsfaktor sichern, der auch für das Wachstum Eichenzells von großer Bedeutung ist. Für ansiedlungswillige Unternehmen ist die Internet-Infrastruktur ein wichtiger Aspekt, der für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr unterschätzt wird.
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