04.07.2009, Osnabrück
Der TV-Kabelnetzanbieter Kabel Deutschland hat erstes Interesse an Orion Cable gezeigt. Derzeit ist zwar noch nichts spruchreif und es gab auch noch keine Verhandlungen, dennoch würde ein Zusammenschluss der beiden Kabelnetzanbieter jeglicher Art den Markt der Kabelnetze gehörig umkrempeln. Expertenmeinungen zufolge wäre solch ein Umbruch sogar ähnlich groß wie der beim Aussteigen der Telekom.
Orion Cable mit finanziellen Schwierigkeiten
Orion Cable steht derzeit anstelle Nummer drei der größten TV-Kabelnetzanbieter in Deutschland. Kabel Deutschland steht an Platz Nummer eins und behauptet den Markt. Orion Cable befindet sich schon seit einiger Zeit in finanziellen Schwierigkeiten und sucht daher nach einem Ausweg aus dieser Situation. Eine Übernahme durch Kabel Deutschland könnte eine solche Lösung durchaus darstellen und Escaline-Orion retten. Kabel Deutschland jedenfalls hat Interesse gezeigt und ist auch der Meinung, dass die Expansion durch die Übernahme von Orion ein logischer Schritt wäre, da der Mitbewerber zu Kabel Deutschland passen würde. Kabel Deutschland hat auch bereits klar gemacht, dass auch eine Übernahme des Orion-Schwesterunternehmens Primacom ähnlich interessant für KDG wäre.
Da es bisher noch keine konkreten Verhandlungsgespräche zwischen KDG und Orion bzw. der Muttergesellschaft Excaline gab, muss Orion derzeit noch alleine sehen, wie die finanziellen Probleme überwunden werden können. Angeblich wurden bereits einige Finanzierungen gewährt, die zumindest kurzfristig helfen dürften.
Das Bundeskartellamt stellt keine Hindernisse in den Weg
KDG verfügt derzeit über ein Netz, das in Deutschland rund 9,1 Mio. Haushalte erreicht. Orion erreicht gemeinsam mit den Tochterunternehmen rund 3,5 Mio. Haushalte in Deutschland. Damit würde sich für KDG eine deutliche Stärkung seiner Marktstellung ergeben. Während Kabel Deutschland vor allem ein überregionales und flächendeckendes Netz betreibt, verfügen Primacom und Orion nur über lokale Netze in bestimmten Wohngebieten oder Wohnanlagen. Schon im Vorjahr hat Orion einen Teil seiner Kunden an KDG verkauft. 1,1 Mio. Kabelanschlüsse gingen damals um rund 424 Mio. Euro an KDG. Das Bundeskartellamt hat sich zu einer möglichen Übernahme von Orion und Primacom durch KDG bereits geäußert und lässt den Schluss zu, dass es von dieser Seite zumindest keine Hindernisse für einen Zusammenschluss geben sollte. Generell sieht das Kartellamt den Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt vitalisiert und gestärkt und unterstützt vertikale Zusammenschlüsse. Vor allem wird die Entwicklung so gesehen, dass sich KDG mehr und mehr zu einem starken Mitbewerber der Deutschen Telekom entwickelt, die einmal das Monopol innehatte. Denn Kabel Deutschland ist auch im Telefon- und Internetbereich tätig und stellt hier einen ernst zu nehmenden Konkurrenten für die Telekom dar.
Es könnte jedoch auch noch alles anders kommen. Denn einige Darlehensgeber der luxemburgischen Escaline, zu der Orion gehört, haben bereits in Aussicht gestellt, mit Finanzierungen in der Höhe von 1,8 Mrd. Euro zu dienen. So viel Schulden hat die Kabelgruppe nämlich auch. Alleine die Zinsen beliefen sich in den ersten vier Monaten dieses Jahres bereits auf rund 77 Mio. Euro. Im Vergleich dazu machte die Escaline Gruppe aber nur 49 Mio. Euro Gewinn. Und diese Schulden drohen nun, die weitere Führung des Unternehmens zu gefährden. Bereits im August 2008 war der Liquiditätsbedarf bekannt. Eingefädelt würde die Umschuldung von der Investmentberatung Close Brothers in London. Ein Rahmenvertrag mit den Bedingungen wurde auch schon erstellt. Hier erklären sich die Geldgeber sogar bereit, mehrere Monate auf die Zinszahlung zu verzichten, wenn die Umschuldung über die Bühne gehen sollte. Bestehende Darlehen teilweise in Eigenkapital umzuwandeln steht ebenfalls im Raum.
Gründe für den Schuldenberg gäbe es genügend. Alleine die Escaline Tochter Tele Columbus bezahlt jährlich rund 20 Mio. Euro an Beratungsunternehmen. Grund genug, dass die Kapitalgeber bereits den Rücktritt des Unternehmenschefs gefordert haben. Der wiederum bestritt aber jegliche Mitschuld an den finanziellen Problemen und macht die allgemeine Wirtschaftskrise verantwortlich. Es wird jedenfalls noch sehr interessant werden. Egal, ob es nun zu einer Umschuldung kommen sollte oder Orion an KDG verkauft wird.
» zur Kabel Deutschland Webseite
Autor: Redaktion TOP-DSL