07.06.2009, Osnabrück
Auf dem deutschen Markt für Breitbandinternet gibt es einige, größere Veränderungen. Denn United Internet ist auf dem Vormarsch, um sich weitere Marktanteile im Bereich DSL Internet zu sichern. Nun hat United Internet den DSL-Bereich von freenet übernommen. Durch die Übernahme ist der Käufer nun der zweitgrößte Anbieter für DSL Internet in Deutschland. Lange Zeit gab es Schätzungen, auf, wie viel sich der Kaufpreis für die DSL-Sparte von Freenet belaufen würde. Experten bewerteten die Sparte mit Werten zwischen 180 und 230 Mio. Euro. Nun hat Freenet sein DSL-Geschäft, das immerhin rund 700.000 Kunden zählt, doch nur um rund 123 Mio. abgegeben. Man munkelt natürlich, warum der Kaufpreis so niedrig gehalten wurde. Scheinbar dürfte es auch Gründe dafür geben.
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DSL über Kabel besser?
Der Breitbandmarkt in Deutschland befindet sich derzeit in einer Situation, in der es viele Anbieter nicht unbedingt einfach haben. Zum einen ist durch den andauernden Preiskampf bereits ein relativ niedriges Preisniveau erreicht worden, bei dem natürlich auch die Gewinnspanne geringer ausfällt als früher. Zudem ist aber auch dem Wachstum in der Branche ein Riegel vorgeschoben. Denn mittlerweile verfügen bereits rund 23 Mio. Bürger in Deutschland einen DSL-Anschluss. Expertenmeinungen zufolge ist die Sättigung für DSL Internet bald erreicht. Das Bankhaus Sal. Oppenheim schätzt, dass im laufenden Jahr noch um die zwei Mio. neue Nutzer dazukommen werden. Spätestens nächstes Jahr wird sich das Wachstum aber stark reduzieren. Überdies hinaus zeichnet sich eine verschärfte Konkurrenzsituation ab, da die Kabelnetzanbieter aufholen und ebenfalls schnelles Internet anbieten.
Alles in allem hat sich somit eine schwierige Situation für Freenet ergeben, wodurch es wahrscheinlich auch zu der Entscheidung gekommen ist, den DSL-Bereich zu verkaufen, da dieser nicht mehr rentabel war. In der jüngeren Vergangenheit musste Freenet im DSL Bereich oft zusehen, wie Kunden ihre Verträge kündigten und zur Konkurrenz abwanderten. Schätzungen zufolge hat Freenet im letzten Jahr rund 35 Mio. Euro Verlust verbuchen müssen. Der Verkauf, der DSL Sparte ist, für Freenet sicherlich ein lohnendes Geschäft und eine willkommene Möglichkeit, um die Kriegskasse wieder zu füllen und sich neu aufzustellen. Denn die 123 Mio. Euro Kaufpreis werden nicht komplett in bar ausgezahlt. Freenet erhält vom Käufer United Internet eine Barzahlung von 70 Mio. Euro. Der Restbetrag wird in Aktien von United Internet beglichen. Insgesamt 4,6 Mio. Stück. Außerdem steht Freenet noch die Option offen, in den nächsten fünf Jahren United Internet Produkte über seine Läden zu vertreiben. Denn United Internet besitzt keine eigenen Filialen. Dafür würde UI noch einmal rund 50 Mio. Euro lockermachen.
United Internet kaufte Freenet
Nachdem Freenet nun einen Käufer für seinen bisher wahrscheinlich unrentablen DSL Bereich gefunden hat, kann sich das Unternehmen verstärkt darauf konzentrieren, die Mobilfunksparte mit Mobilcom und Debitel auszubauen, sowie den Vertrieb von Internetprodukten zu forcieren. Auf den Aktienkurs hat sich der Freenet Verkauf nicht sonderlich ausgewirkt. Der Kurs der Freenet Aktie veränderte sich nicht maßgeblich. Hingegen konnte die United Internet Aktie kräftig zulegen.
Angesichts des Verkaufs der Freenet DSL Sparte ist noch nicht geklärt, was mit den Mitarbeitern des Bereichs geschehen soll. Denn beim Verkauf wurden lediglich die 700.000 Kunden von Freenet übergeben, nicht aber die Mitarbeiter. Im schlimmsten Fall könnten rund 900 Jobs im Freenet Standort in Kiel betroffen sein. Zumindest 100 DSL Techniker sollen in die Firmenzentrale und in den Standort Büdelsdorf übersiedelt werden. Während Freenet umbaut, ist United Internet weiterhin auf Expansionskurs. Das Unternehmen verfügt noch über reichliche Reserven und möchte weiter zukaufen. Als mögliche Kaufobjekte wird die Hansenet, Tochter der Telecom Italia, gehandelt, die auf dem Markt unter der Bezeichnung Alice auftritt. Jedoch gibt es hier auch noch andere Unternehmen, die als mögliche Interessenten für Alice auftreten könnten.
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Autor: Team fastline